Unsere Liebeserklärung an die Provence

04.10.2018

Die meisten, die an Südfrankreich denken, stellen sich wohl kurvenreiche Küstenstrassen, Meeresrauschen und unzählige von den wunderschönen Schirmkieferbäumen, in dessen Zapfen die leckeren Pinien reifen, vor. Die Provence mit ihrem Hinterland hat jedoch jede Menge mehr auf Lager und bietet mit seiner wilden und unberührten Natur unzählige Fassetten und Gegensätze. 

In unsere Südfrankreichreise gestartet, sind wir am Fährhafen von Toulon. Nach der Überfahrt von Korsika haben wir uns erstmal aufgemacht um eine Boulangerie zum Frühstücken zu finden. Neben dieser - die uns zum Schwärmen für die ganzen süssen Leckereien brachte - haben wir noch viel mehr gefunden und zwar ermöglichte uns der Markt mitten in den Hauptgassen ein Eintauchen in das heimische Stadtleben. Nachdem der Markt auch uns mit Obst, Gemüse und Käse bereichert hat, ging es Richtung Saint - Tropez weiter und zwar so wie nach ersten Vorstellungen (kurvenreich, Meeresrauschen und vielen Pinienbäumen). Wir suchten für uns und Anton - unserem fahrbarem Zuhause -  einen Camping für zwei Nächte. So konnten wir mal wieder waschen und hatten genügend Zeit die Umgebung kennenzulernen.

Die Gegend um Saint- Tropez erkundeten wir per Mountainbike. Das mit dem Mountainbiken in fremden Gegenden ist so eine Sache. Dank der OruxMap können wir per Handy jeden Weg ausfindig machen. Ob er jedoch auch fahrbar sein wird, bleibt ein Geheimnis bis wir uns mittendrin befinden. Kein Wunder, dass wir das Mountainbike nicht selten auch über Teilstücke stossen. Doch in Saint- Tropez kam hinzu, dass Singletrails auch schon mal im Privatgelände einer Villa endeten und wir vor verschlossenen Toren keine Durchfahrt mehr fanden. Resultat der Geschichte, wir mussten den ganzen Rückweg antreten um es auf einem anderen Weg neu zu versuchen. Glücklicherweise klappte es dann doch und wir erreichten über einen fantastischen Trail durch Weinanbaugebiet unser Ziel. Saint - Tropez ist in der Provence eine Klasse für sich. Wunderschön in einer Hafenbucht gelegen, in welche der Inbegriff von Luxusyachten anlegen. Kein Wunder kamen wir, während wir eines der feineren Glacés aus dem Maison du Barbarac (nein, wir machen keine Werbung für diesen Laden) schlemmten, nicht mehr aus dem "Gaffen" heraus. Wir sassen eine kleine Ewigkeit am Hafen, schwiegen - denn es gibt Momente, da braucht es keine Worte und staunten - gut möglich mit offenem Kinnladen - über die millionenschweren Superyachten und das Treiben der Angestellten oder Besitzer auf und neben den Booten. Was für ein eindrücklicher Ort, in der das Geld anderst arbeitet, als in uns bekannten Kreisen.

Neben Saint Tropez entdeckten wir mit unseren Bikes auch noch Port Grimaud und das kleine, malerische Bergdorf Ramatuelle, das noch seinen eigenen besonderen Charme besitzt. Es ladet uns zum Verweilen und Erkunden ein, wobei wir schon hier erwähnen müssen, dass Ramatuelle nicht das einzige Bergdorf geblieben ist, welches uns zum Bleiben verführt hat.

Unser spektakulärster Stopp durch die Provence zählt zu den grössten Giganten Europas, der Grand Canyon du Verdon- genauer gesagt, der Gorges du Verdon. Nicht nur das Hinabsteigen bis zum Fusse des türkisfarbenen Flusses Verdon und das Entlangwandern in der Schlucht waren sehr eindrücklich, sondern auch die atemberaubende Aussicht und die Tiefblicke auf der sagenhaften Strasse, die an der Verdonschlucht entlang zieht, liess uns kaum noch aus dem Staunen herauskommen. Es ist neben dem Naturspektakel auch ein beeindruckendes WOW für den Strassenbau. Kein Wunder haben wir da nicht wiederstehen können und unseren California für die Nacht an den Rand des Abgrunds geparkt. Was für eine Stimmung das war, lässt sich kaum beschreiben. Wir waren menschenseelenallein. Wir beobachteten zuerst die Schlucht im Licht der untergehenden Sonne und nachher den Sternenhimmel mit seiner ausgeprägten Milchstrasse, die nicht gigantischer hätte sein können, durch die Tatsache, dass keine fremde Lichteinwirkung vorherrschte, da das Gebiet wirklich absolut dünn besiedelt ist. Soeben fragen wir uns sowieso wo wir in der Gegend überhaupt auf Bewohner gestossen sind. Und prompt fällt uns dazu der Fuchs ein, welcher sich über Nacht an unseren Müllresten vergnügte. Er hatte sich recht intensiv mit unserer Mülltüte auseinandergesetzt, wenn wir an das Bild der Verwüstung am nächsten Morgen denken. Schlussendlich hatte er sich dann doch für unsere Melonenreste entschieden. Wir lernen daraus, dass wir künftig unseren Müllsack einfallsreicher vor die Tür hängen sollten.

Auf unserer Weiterreise nach Roussillon schweiften unsere Blicke immer wieder in die unberührte Landschaft, auf romantische Weingegenden oder auf malerische Dörfer ab. Durch manche führte uns die Strecke hindurch, an anderen zogen wir vorbei. Wir wurden aber jedes Mal aufs Neue zum Anhalten und Hingucken hingerissen. Das Bergdorf Bonnieux begeisterte uns schon mit seiner Einzigartigkeit der Lage und einem herrlichen Fernblick. Doch als wir nach Gordes kamen, war es um uns geschehen. Das Dorf thront herrschaftlich auf einem Felsvorsprung und verzaubert mit seinen heimeligen Steinhäusern. In Roussillon bestaunten wir die Ockerfelsen und flanierten durchs ockerfarbene Dorf, welches ohne den Touristen fast schon verschlafen wirkt. Wohingegen Avignon einen Tag darauf, den Gegensatz dazu bildete. Sie war im 14. Jahrhundert Papststadt und ist heute recht belebt.

Mit der Anreise nach Avignon näherten wir uns nun auch der Pont du Garde. Ein weiteres Higlight unserer Südfrankreichtour. Die dreistöckige Brücke, welche vor mehr als 2000 Jahren!! von den Römern erbaut wurde, um eine Wasserleitung bis in die Stadt Nimes zu verlegen, gilt heute als eine der Sehenswürdigkeiten von Südfrankreich. Sie gilt nicht umsonst als das Wahrzeichen, denn wenn man mal vor der Pont du Garde steht, egal auf welcher Seite der Brücke oder auf welcher Flussseite, man staunt über dieses architektonische Meisterwerk. Unsere Gedanken drehten sich darum, dass wir glauben heute geniale Leistungen zu erbringen. Doch es waren unsere Vorfahren aus langvergangener Zeit, die noch verblüffenderes erreicht haben. Dieses dreistöckige Äquadukt erinnert in guterhaltenem Zustand an die Genies der römischen Zeit. Es gibt noch zu erwähnen, dass man eigentlich stolze 8.50 € pro Person bezahlen müsste um dieses Unesco Weltkulturerbe zu bestaunen, jedoch konnten wir dem entgehen, in dem wir mit unseren Bikes in den Park gefahren sind und dafüf einen längeren Anfahrtsweg in Kauf nahmen. Es gibt auch noch die Möglichkeit mit einem Kajak entlang des Flusses an und sogar unter der Pont du Garde zu kommen, die wir aber leider verpassten.

Ja und was kam dann? Ja dann war Monatsende. Wir haben bereits unseren ersten Monat ohne berufliche Verpflichtungen hinter uns. Was, jetzt schon? Dabei überkam uns ein Gedankenchaos aus "kann jemand bitte die Zeit anhalten" und "wow, wir sind schon einen Monat unterwegs und fühlen uns puddelwohl"! Reto hat von einigen Arbeitskollegen ein wirklich einfallsreiches Geschenk zu seinem Abschied bekommen. Sie haben ihm für jeden der kommenden Monatsabschlüsse bis Ende 2019 ein selbstgebrautes Bier geschenkt, mit dem Aufdruck "Woher ich auch komme, wohin ich auch gehe, wo ich auch gerade bin...Monatsende!! Ganz nach diesem Motto haben wir entschieden unser ersten Monat gebührend zu feiern. Nach 30 Tagen, zwischen einfachem Outdoorfood und leckerer, abwechslungsreicher Californiaküche, hat der Abend mit Tagliatelle und Carpaccio und 2 Flaschen Rotwein in einem Restaurant hinter den Stadtmauern des Städtchen Aigues Mortes geendet. Die stürmische (starker Wind) Heimfahrt mit den Bikes zum Camping erwies sich dann gar nicht mehr so einfach. Denn ihr müsst bedenken, die Camargue ist eine wässrige und sumpfige Angelegenheit und das nur im Scheinwerferlicht der Bikelampe kann schon etwas irritierend auf einem wirken. Einmal vom Fahrradweg abgekommen, grüssen einen die rosafarbenen Flamingos auf dem Weg ins Wasser. Die Camargue wird uns auch so in Erinnerung bleiben. Flamingos, die im Wasser stehen und ihren Kopf auf der Suche nach salzigen Krebsen ins Wasser tauchen, die Salzgewinnung wofür das Gebiet bekannt ist und eine unendliche Weite von geschützter Naturlandschaft.

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