Atemberaubend

22.11.2018

Diese Berge in den Anden von Peru scheinen nicht von dieser Welt. Sie rauben uns den Atem und das nicht nur wegen der dünnen Luft dort oben auf 5000 Meter Höhe, sondern auch weil wir während der Wanderung durch diese spektakuläre Landschaft ihre unbeschreibliche Schönheit in uns aufsaugen und ein Naturschauspiel vor Augen haben, welches aufregender ist, als jeder Kinofilm auf Leinwand!

Wir waren uns einig, die herbst-winterliche Übergangszeit nicht in der Heimat zu verbringen. Wir nahmen uns genügend Zeit, zu entscheiden, welche Reiseziele es werden sollen. Die zahlreiche Auswahl von eindrücklichen Ländern verführte uns von Ost nach West und wieder zurück, einige Male mit Google Maps um den Erdball, bis wir uns für Südamerika entschieden hatten. Mit Peru sollte unser Abenteuer losgehen. Denn die Rainbow Mountains standen schon vorab auf unserer Bucketlist.

Umso aufregender war es dann diesen Traum in die Realität umzusetzen. Um 2 Uhr früh ging es mit unserem Guide David und noch drei anderen Reisenden los. Die Anfahrt dauerte aus Cusco 3.5 Stunden und der Weg führte uns davon 1.5 Stunden - immer noch zum Teil im Dunkeln - eine enge, abschüssige Pampastrasse entlang, die überhaupt nur für die Anfahrt der Touristen erschlossen wurde, da ansonsten in diesem Gebiet nur Alpaca-Farmer zu Hause sind.

Am Parkplatz vom Ausgangspunkt für die Wanderung waren wir die ersten und hatten zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung, was hier nachher los sein würde. Das wunderschöne grüne und moosige Tal, welches mit dem Blick auf einen der vergletscherten 6000er schon Begeisterung in uns auslöste, war nur ein Vorgeschmack dessen, was uns noch erwarten sollte. Denn je weiter wir gewandert sind, desto schönere Blicke haben sich vor unsere Augen aufgetan und so langsam liessen sich am Horizont noch andere Farbspiele erahnen, die immer kräftiger wurden. Zu unserem Glück hatten wir einen Prachtstag, denn wie uns David erzählte, war er letzte Woche bei Schnee und Regenfall hier oben. Und nun bot uns der Tag, mit Wolken - und Sonnenspiel, einen fantastischen Blick auf die umliegenden und fernen Berge.

Kurz vor dem letzten Aufstieg ging Cynthia, einer Mitreisenden aus Argentinien, die Puste aus. Wie wir später von ihr erfuhren - nachdem sie etwas an der Sauerstoffflasche nippeln durfte - war sie vom Anblick dieser Umgebung so emotional gefesselt, dass sie vergessen hatte tief durchzuatmen.

Reto und ich stiegen zwischenzeitlich noch im Anblick des Ausangate, die letzten steilen 100hm zum Gipfel auf und als wir uns oben umdrehten, standen wir da, vor einer 360 Grad Kulisse, die wir so in unserem Leben kaum noch einmal vor Augen haben werden - ein einzigartiger Moment, der für ewig andauern könnte. Die Szenerie auf dem Rainbow Mountain ist in allen Himmelsrichtungen so eindrücklich, dass sie Reto den Atem raubte und ihm fast wie Cynthia die Luft ausging. Unser Guide bot ihm daraufhin auch die Sauerstoffflasche an, was Reto natürlich scherzend annahm.

Nachdem wir eine Stunde - fast menschenleer - auf dem Gipfel des Winikunka verbrachten und über diese Landschaft staunten, führte uns David ins Red Valley, von dem er vorher noch erzählt hatte. Wir 5 Touris hatten keine Ahnung von was er uns vorschwärmte, bis wir die nächste Scharte überquerten und uns eine weitere unbeschreiblich schöne Landschaft darbot. Mutter Natur hat hier eine Vielzahl schöner Kunstwerke erschaffen.

Nach einer ausgiebigen Pause wanderten wir zurück zum Pass, wo wir wieder auf den Regenbogenberg sehen konnten und unseren Augen nicht trauten. Unser Guide David nannte es 'the ants gear and we are the leaders', was sich eindeutig gelohnt hatte. Bis zum Parkplatz wanderten wir an vielen Trekkers vorbei, von denen sich auch welche auf einem Pferd hochbringen liessen. Aus den Alpaca Farmern sind mittlerweile sozusagen 'Tourenguides' und allemal 'Zubringer' geworden, die sich ihre Haushaltskasse aufbessern.

Am Parkplatz bot sich ein total konträres Bild gegenüber des frühen Morgens. Mittlerweile war er voll besetzt mit Tourenbussen. Umso mehr waren wir 'happy' dass wir diese Landschaft noch in der Einsamkeit der Berge geniessen durften. Der wenige Schlaf und das frühe Aufstehen hat sich gelohnt, denn hier fängt der frühe Vogel den Wurm.

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© 2018 Sandra Gschnitzer & Reto Conrad. Alle Rechte vorbehalten.
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